3.2 LTR for Dummies oder die perfekte Beziehung?
tobias99
Hey Guys... ich möchte gerne einige Punkte ansprechen, die mir persönlich geholfen haben meine
bestehende LTR aus einem anderen Gesichtspunkt zu sehen, sowie werde ich auch einige Punkte
ansprechen, die mir aus vielen Posts in der Beziehungskiste aufgefallen sind.
Dieser Abriss – und es kann nur ein Abriss sein, denn das Thema würde sonst Bibliotheken
füllen, geht um Grundsätzliches: Um Projektion, Erwartungshaltung, pre-LTR, Chancen in der LTR zum
Weiterentwickeln bis zu den Idealen die uns die Medien einbläuen.
Wir gehen von dem harten Tobak der Spiritualität bis zur praktischen Umsetzung.
Jeder möge für sich das mitnehmen was für Ihn passt.
Projektionen
In der Psychoanalyse nach Sigmund Freud versteht man unter Projektion einen Abwehrmechanismus,
bei dem eigene, unerträgliche Gefühle und Wünsche einem anderen Menschen (oder Gegenstand)
zugeschrieben werden. Ein prominentes Beispiel ist die Paranoia.
„Projektion ist das Verfolgen eigener Wünsche in anderen.“
Sigmund Freud
Beispiel: Ein angehender Junge/Mann der eher in sich gekehrt ist und nicht aus seiner Haut heraus
kann lernt ein hippes Partygirl kennen, die sich sofort integriert und durch ihre einnehmende Art den SC
unterhält. Sie zieht den Pua in ihrem Bann, weil Sie das ist, was der Pua an Charaktereigenschaft gerne
hätte, derzeit aber nicht ist.
Das Wesen der Projektion
Grundsätzlich ist die Projektion eine Sache der Perspektive. Wer kennt das nicht wenn gesagt wird:
„Deine Umwelt spiegelt dich selbst.“
Etwas, was wir nach Außen hin ausstrahlen, dessen wir uns nicht bewusst sind, ist etwas, das in uns
ist, was erfahren werden will.
153
Und das was wir erfahren, nehmen wir als Teil eines Lernprozesses/Erfahrungsprozesses in uns
wieder auf. Trotzdem fällt es uns zuweilen schwer, das widergespiegelte zu akzeptieren, bzw. dieses als
Lern und Weiterbildungsprozess zu begreifen.
Warum ist das so?
Wir sehen uns als Individuum, als getrennt von außen. Daher nehmen wir diesen Spiegel nur
unbewusst war. Die Getrenntheit ist nicht wirklich. Sie hat sich allerdings kulturgeschichtlich derart in
unseren Köpfen festgesetzt, dass sie als solche, als Getrenntheit, erlebt wird.
Trotzdem ist dieser Mechanismus des Getrenntseins wichtig, da wir nur lernen können wenn wir
etwas ins Außen stellen, nur dann können wir was erleben oder erfahren. Über uns.
Erwartungen
Eine Erwartung ist etwas, was derzeit nicht da ist. Dies ist die Definition.
Welche Vorraussetzungen müssen herrschen dass eine Erwartung eintritt? Was sagt die Spiritualität?
Es kann nur (!) das eintreten was potentiell da ist. Was potentiell nicht da ist, tritt nicht ein. Ergo ist die
Erwartung eine Form der Zuversicht, eine Form der Gewissheit und des Begreifens das etwas Bestimmtes
in der Zukunft eintritt.
Um weiter in der Spiritualität zu verweilen. Ich erwarte etwas, was im hier und jetzt nicht da, nicht
vorhanden ist. Da es aber nicht bereits da ist, tritt es auch nicht ein. Man kann nicht das erwarten, was
man sein will, wenn man es nicht ist. Die Erwartung und das Sein schließen sich einander aus.
Bsp.: Wenn ich mit Biegen und Brechen eine Freundin haben möchte, so werde ich (in aller Regel)
keine Freundin bekommen.
Warum?
Der Wunsch ist aus einem Mangel entsprungen. Dem Mangel an körperlichen, geistig-seelischer
Zuwendung. Ich denke jeder, der eine Zeit lang solo war (ist) kann dem Paradoxon folgen. Warum ist es
so, genau dann, wenn ich keine Freundin haben möchte, wenn ich mit mir selber zufrieden bin, wenn ich
mein Leben nach meinen Maßstäben lebe, warum ergeben sich dann erst die vorher so herbeigesehnten
Chancen“?
154
Oder, ich habe eine Feundin, urplötzlich lerne ich jemanden kennen, der mich noch mehr
interessiert? Vielleicht hat sich auch jemand zigmal erfolglos bei seinem Traumjob beworben und auf
einmal, nachdem er bei einem Arbeitgeber unterschrieben hat, flattern weitere Gesprächseinladungen
ins Haus, von potentiell attraktiveren Arbeitgebern?
Hat Ähnliches wirklich noch niemand erlebt?
Menschen wundern sich immer und immer wieder, dass das, was man „erwartet“, nicht eintritt.
Vielmehr ist wichtig zu wissen, das man das sogenannte „Sein“ ist. Aus dem ausgereiften Sein werde ich
die Umwelt formen, aus der eigenen inneren Fülle, genau aus dieser kann ich das geben, was andere
brauchen.
Was heißt das in der LTR?
Projektionen und Erwartungen sind schleichendes Gift für eine LTR. Und diese Dinge laufen nicht
bewusst, diese laufen unbewusst ab. Und daher sind diese auch so gefährlich. Wir haben in unserem
inneren immer einen gegengeschlechtlichen Anteil, jeder Mann ist im inneren ein Stück weit feminin,
eine Frau maskulin. Wir neigen dazu unseren gegengeschlechtlichen Anteil auf die andere Person zu
übertragen. Was wir dann lieben, ist nicht die andere Person, sondern der eigene Anteil von uns den
wir übertragen haben. Wir lieben (oder auch nicht) uns selber, allerdings über den Umweg der anderen
Person in der Partnerschaft.
Wenn davon auszugehen ist, dass beide innerhalb der LTR jeweils sich selber über den Umweg
des Partners lieben, dazu noch eine gehörige Portion Emotion ins Spiel kommt, ist das die Eintrittskarte
in den Vergnügungspark der:
Abhängigkeit
Manipulation
Needyness
Besitzergreifung.
Was passiert üblicherweise am Anfang einer LTR? Man versucht sich von der besten Seite zu
zeigen, man richtet sein Verhalten unbewusst nach dem Partner, man verhält sich definitiv nicht so,
als ob man allein wäre. Der andere Partner macht das im Idealfall ebenso. Dabei ist das Verstellen
im Sinne des Versuches, dem Partner zu gefallen eine bestimmte Art der Selbstverleugnung. Und da
niemand diese Maske lange aufrechterhalten kann, da dieses Verstellen eine immense Energie kostet
sowie die eigene Psyche eine Selbstverleugnung nicht akzeptiert, kehren wir irgendwann zu unserem
155
ursprünglichen Zustand zurück. Und dann passiert genau das, wenn es heißt: „Du hast dich verändert,
es passt nicht mehr, wir haben uns auseinandergelebt“, usw... Dabei sind die jeweiligen Partner zu ihrem
ursprünglichen Zustand zurückgekehrt. Zu dem was diese vor der Partnerschaft waren und nach der
Partnerschaft wieder sind. Sicher, man versucht sich, von der besten Seite zu zeigen, aber sich selbst
dem Partner zuliebe zurückzustellen bedeutet ein Verlust der eigenen Integrität und Authentizität. Der
Weg ist frei für Manipulation und Machtspielchen.
Wie entkomme ich diesem immer wiederkehrenden Phänomen?
Beide Partner müssen sich über ihre unbewussten Erwartungen und Projektionen an den anderen
im Klaren werden. Man muss sich denen bewusst werden, diese notfalls ansprechen. Noch wichtiger
ist meines Erachtens ein gemeinsames Ziel. Wie passt ein Mann, der ein weltmännisches Leben hat
mit einer Frau, die sehr häuslich ist, dauerhaft zusammen? Wie passt ein Partygirl, das möglichst lange
seinen Spaß ausleben will, mit einem Mann zusammen, dem ein Stall voll Kinder über alles geht? In einer
Partnerschaft müssen sich also beide! entwickeln. Entwickelt sich nur einer, driften die vorhandenen
Energien auseinander. Entwickelt sich niemand -> Stillstand.
Beides führt unweigerlich früher oder später zum Exitus der LTR.
Exkurs Needyness
Needyness
Fast alle Partnerschaften werden gegründet zur gegenseitigen Bedürfnis-Erfüllung. Dem Bedürfnis
nach Zweisamkeit aus Angst vor Einsamkeit. Dem Bedürfnis nach Geborgenheit aus Angst vor dem
Alleinsein. Dem Bedürfnis nach Sicherheit aus Angst vor dem Unwägbaren.
Diese Angst manifestiert sich in Needyness. Und Needyness vertreibt jegliche, wie auch immer
gestaltete Liebe. Needyness ist etwas was wir empfinden, wenn wir glauben, Außerhalb von uns gäbe es
etwas, was nicht in uns ist, was wir aber unbedingt brauchen. Brauchen um glücklich zu sein, glücklich
zu sein mit uns selbst. So leben wir einen „Needyness-austausch“ oder „Needyness-handel“ und nennen
dies „Liebe“. Gekoppelt an die Needyness ist die Erwartung, denn im Rahmen dieses Needyness-handels
liegt ja die Erwartung, dass das Gegenüber sich an den Handel hält. Tut er das nicht, sind alle Wege
offen für die Eifersucht, denn der „Handelspartner“ könnte ja wo anders seine „Geschäfte“ abwickeln.
Dass aus dieser Einstellung natürlich viel Schmerz und Leid hervorgeht, ist unumgänglich.
156
Sollte man nicht für seine eigenen Glücks und Zufriedenheitsgefühle sorgen, sondern wir lassen
andere (den Partner) dafür sorgen, ist der Weg frei für eine der tiefsten emotionalen Abhängigkeiten:
Die Oneitis.
Weiteres wird passieren, wenn wir uns der unbewussten Erwartungshaltung nicht bewusst werden:
Wir werden ent-täuscht. Und Enttäuschung ist das Gegenteil von Täuschung. Und der Partner in dem wir
unsere Erwartungshaltung und Projektionen hineinprojeziert haben, ist (unbewusst) der Täuschende.
Statt aber dankbar zu sein dass wir ent-täuscht worden sind, sind wir am Boden zerstört bzw.
versuchen wir mit aller Gewalt die Illusion aufrechtzuerhalten, dass man doch so gut zueinander passte.
Erwartungen an den Partner fördern auch eine eingeschränkte Wahrnehmung in Bezug auf den Partner
und die Partnerschaft.
Sie verhindern, dass man seinen Partner so sehen und nehmen kann, wie er ist.
Stattdessen wird erwartet, wie er zu sein hat und man wird enttäuscht, wenn er nicht so ist, wie
man es von ihm erwartet. In Bezug auf Erwartungen könnte sich jeder selbst die Frage stellen, ob man
sich selbst seinen Erwartungen gegenüber genügt; was damit gemeint ist, ist, dass man nicht etwas
von jemanden erwartet, was man selbst nicht tut. Man sollte in der Partnerschaft auf jeden Fall über
Erwartungen sprechen. Die nicht ausgesprochenen Erwartungen sind die Gefährlichen, die, die Unglück
anrichten.
Erwartungen reduzieren?
Wenn man Erwartungen gegenüber Anderen sehr reduziert (das heißt, sich davon freimacht,
gewisse Verhaltensweisen zu erwarten), dann ist das eine hohe Form der Freiheit, dessen Geschenk
man sich selbst und jedem zukünftigem Partner seines Lebens macht.
Erwartungen erzeugen Druck für beide Seiten.
Druck auf sich selbst, Druck auf den Anderen.
Kommt noch hinzu dass man die Erwartungshaltung unbewusst aufbaut, der andere Partner
auch noch versucht der unausgesprochenen Erwartungshaltung gerecht zu werden, so führt der Weg
irgendwann in die Sackgasse, denn auch der andere Partner darf nicht so sein wie er eigentlich ist.
157
Und der andere Partner wird gehen, wenn das Bedürfnis so zu „sein“ wie er ist größer wird, als der
unbewussten Erwartungshaltung des Gegenübers weiterhin gerecht zu werden.
Liebe als Heilmittel gegen Einsamkeit und Sicherheit?
Für Sicherheit ist nicht die Liebe zuständig, sondern das eigene innere Vertrauen, mit Hilfe des
Inneren Vaters und der Inneren Mutter. Diese Komponenten sind in jedem von uns vorhanden, denn
jeder hat Vater und Mutter in sich. Um es besser greifbar oder begreifbar zu machen ist der innere
Vater und die innere Mutter in uns das sogenannte Selbstvertrauen. Das Vertrauen in uns „Selbst“. Ist
dieser Zugang gestört, hören wir nicht auf das Innerste in uns, so werden wir nie lieben können. Nie
lieben können aus den richtigen Gründen. Ebensowenig ist die Liebe für die Vertreibung der Einsamkeit
zuständig; wer sich einsam fühlt, der begebe sich dafür besser unter Menschen und in Gesellschaft.
Auch die Heilung seelischer Wunden fällt nicht in die Zuständigkeit der Liebe; für so etwas gibt es
Therapeuten und geschulte Fachkräfte.
Wie wählt man dann eigentlich einen Partner im ursprünglichen Sinne?
Keine Wahl des Partners ist zufällig. Es sind unbewusste Muster und Raster, die wir anlegen. Ein
Abgleich zu unserer Persönlichkeit. Wir suchen Unseresgleichen. Partner die uns ähneln. Mit denen
werden wir eine längere Partnerschaft haben als mit denjenigen, in die wir unsere Erwartungen, was
wir sein möchten, hineinprojezieren. Da der Partner dieser Erwartungshaltung nicht dauerhaft gerecht
werden kann, ist Stress einprogrammiert. Der Partner enttäuscht uns, im positiven Sinne, denn wir haben
diesem Partner unser eigenes Befinden, unser eigenes Glück in dessen Hand gelegt.
Doch für die eigenen Emotionen, das eigene Glück sowie das eigene Befinden ist man selbst
verantwortlich und sonst niemand.
Es ist wichtig, emotionale Anhaftungen zu lösen. Viele Menschen haben aufgrund gesellschaftlicher
und angelernter Verhalten Schwierigkeiten mit der Übernahme von Selbstverantwortung, also damit,
Verantwortung für sich zu übernehmen. Immer scheinen die Anderen schuld zu sein. Auf der Ebene der
Partnerschaft, der engsten zwischenmenschlichen Beziehung, kann man diesbezüglich viel herauslesen
und lernen.
Seht die LTR als Chance zur Entwicklung.
Euer Partner zeigt Euch als Spiegel genau die Defizite in Euch auf, an denen Ihr grundsätzlich
arbeiten solltet. Und wen wundert es, dass das in aller Regel die Aspekte sind, die wir an uns selbst nicht
158
mögen? Und wenn wundert es wenn diese Aspekte erst an die Oberfläche kommen wenn die Phase der
allgemeinen Schwärmerei vorbei ist? Sich diesen Aspekten zu stellen, daran gemeinsam zu arbeiten,
das ist der Übergang von der Schwärmerei zur echten Liebe. Und je bedingungsloser diese Liebe wird,
umso freier werden wir von Needyness, Erwartung und Projektion.
Liebe und die Medien
Das Thema Liebe und die LTR ist - neben dem Beruf - für die meisten Menschen das zentralste
in ihrem Leben. Nie waren die Erwartungen an die Liebe höher als heute. Unsere LTR soll uns einfach
alles geben, was wir uns wünschen. Einen Ausgleich für die Kälte unsere heutigen Zeit, die hohen
Anforderungen in Beruf und Alltag, und natürlich …soll sie dauern. Für immer und ewig. Romeo & Julia,
Mickey & Minnie Maus, Leonardo diCaprio & Kate Winslet lassen grüßen..
Die Liebe in den Medien besagt: Wenn ich nur erst den richtigen Partner gefunden habe, dann wird
er alle meine Bedürfnisse – geistige, körperliche, emotionale – dauerhaft erfüllen.
Wie bitte?
Alle meine Bedürfnisse? Dauerhaft?
Mein Bedürfnis nach Nähe, aber auch nach Freiheit? Mein Bedürfnis nach Kraft, Hoffnung, Mut,
aber auch nach Geborgenheit und Anlehnung? Nach leidenschaftlichem Sex und Aufregung, aber auch
nach Stabilität, Sicherheit und ruhiger Geborgenheit? Nach Glücklichsein auf Dauer, nach dem Gefühl,
dass mein Leben einen Sinn hat? Willkommen im Traumland der Medien
Wenn ich das alles so nacheinander aufzähle, Bamm! Bamm! Bamm!...
...dann schütteln wahrscheinlich alle die Köpfe, weil jedem verstandesmäßig klar ist, dass das so
nicht funktionieren wird - schon allein deshalb, weil die Widersprüche in den Anforderungen einfach zu
groß sind. Aber genau diese Ansprüche sind es, die wir - vor allem von den Medien - eingehämmert
bekommen und allzu häufig einfach als unsere eigenen übernehmen.
Bei jeder anderen Entscheidung im Leben sind wir bereit, Prioritäten zu setzen und Kompromisse
einzugehen. Jedem ist klar, dass ein Familienwagen andere Bedürfnisse befriedigt als ein zweisitziges
Cabrio. Jedem wird klar, dass qualifizierte Jobs in aller Regel nicht in einem Ballungsgebiet zu finden
sind, dass ich daher Kompromisse machen muss bezüglich Wohnort und Berufswunsch.
159
Im Job selber muss ich wählen zwischen Einkommen und Arbeitszeit. Wähle ich ein hohes
Einkommen, dürfte jedem einleuchten, dass ich mich nicht nach einer 35Std. Woche ins Wochenende
verabschieden kann. Nur unsere LTRs überfrachten wir heillos mit viel zu vielen Erwartungen. (Und was
„Erwartungen“ anrichten, ist weiter oben schon besprochen) Weil wir dem Bild folgen, das uns von außen
suggeriert wird, dass eine LTR uns auf Dauer glücklich zu machen und uns alles das zu geben hat, was
wir sonst von nirgendwo zu bekommen meinen.
Der erste Schritt, sich aus diesem Kreislauf von überhöhten Erwartungen, Frustration und
Enttäuschung zu befreien, ist es, sich klarzumachen, dass langfristige Liebesbeziehungen vor allem
eines brauchen:
Entscheidung(en) und Kompromisse
Verabschiede dich zunächst mal von der Idee, dass es da Draußen irgendwo den perfekten Partner
oder die perfekte Partnerin gibt, mit der oder dem alles wie von alleine läuft. Oder Du jagst ein Leben lang
einem Phantom hinterher. Und glücklich wirst Du in dieser Zeit auch nicht.
Jeder Mensch ist ein Sammelsurium aus Stärken und Schwächen Du genauso wie jede® mögliche
Partner(in), die oder der für Dich in Frage kommt. Die wichtigste Frage, die Du Dir also stellen musst,
ist die nach Deinen ganz persönlichen Prioritäten im Leben. Das ist vielleicht die persönlichste Frage
überhaupt, die nur Du selbst beantworten kannst!
Wenn ich Dich in einem, in fünf, in zehn, in dreißig Jahren auf der Straße treffe, und Dein Leben ist
genau so verlaufen, wie Du es Dir wünschst, was würdest Du mir erzählen, wie Dein Alltag aussieht? Wo
und wie lebst Du? Mit wem? Bist Du verheiratet oder lebst Du überhaupt mit jemandem zusammen? Was
und wie arbeitest Du? Hast Du Kinder? Wie sieht Deine Freizeit aus? Wer sind Deine Freunde?
Je genauer Du dieses Bild für dich selbst ausmalst und immer wieder überprüfst, ob es das ist, was
Deinen Traum vom Leben ausmacht, desto mehr wirst du ein Gespür dafür entwickeln, was Dir wirklich
wichtig ist, was auf keinen Fall in Deinem Leben fehlen sollte. Leg Dir dabei selbst keinen Maulkorb um
nach dem Motto: dies geht ja sowieso nicht und jenes auch nicht. Fantasiere einfach ungehemmt. Und
dann stell Dir die Frage, wie der Mensch beschaffen sein müsste, mit dem Du genau diesen Traum
verwirklichen könntest, gemeinsam, ohne dass einer von Duch beiden dabei auf der Strecke bleibt oder
auf seine Lebensziele verzichten müsste.
160
Werde dabei so konkret wie möglich und schau Dir die Medaille immer von beiden Seiten an.
Möchtest Du z. B. eine beruflich erfolgreiche, selbständige Frau an Deiner Seite haben? Dann mach
Dir klar, dass diese vermutlich nicht willens sein wird, in ihrer knapp bemessenen Freizeit mit Dir auf die
Piste zu gehen, die Socken vom Fußboden zu sammeln und Dein Abendessen vorzubereiten, wie Mama
das immer gemacht hat. Ah... Du bist kinderlieb, Du möchtest gerne eine ganze Fußballmannschaft von
kleinen Jungs haben? Stell Dich darauf ein, dass hemmungsloser leidenschaftlicher Sex etwas ist, was
Du eher am Wochenende erleben wirst. Nämlich dann, wenn Du Deinen Samstag damit verbracht hast
Deine Kinder im Zaum zu halten und Deine Frau zu entlasten.
Oder als Frau...
Hättest Du gerne einen guten, engagierten Vater für Deine Kinder? Dann streich Lebensziel
„Mann in Topverdienerposition“ besser aus Deiner Planung, solche Männer sind in der Regel weniger
daheim und wenn, dann nur selten an Legobausteinen interessiert. Es ist wie mit dem Fabeltier, die
eierlegende Wollmilchsau. Kompromisse zu machen und Entscheidungen zu treffen ist uns im berufliche
oder privatem Umfeld so selbstverständlich, und doch sind wir nur selten gewillt, diese auch in einer
Beziehung zu machen. Beschränke Dich abschließend auf maximal drei bis fünf Aspekte, die Dir wirklich
wichtig sind, und die Dein Partner oder Deine Partnerin auf jeden Fall mitbringen sollte. Um das Bild noch
konkreter werden zu lassen, kannst Du die Übung umdrehen und Dich fragen, was in Deinem Leben in
den nächsten Jahren keinesfalls passieren sollte - und darüber herauskristallisieren, über welche drei bis
fünf Eigenschaften oder Verhaltensweisen Dein Partner oder Deine Partnerin keinesfalls verfügen sollte.
Jetzt hast Du schon einen recht guten Überblick über Deine Prioritäten. Natürlich darfst Du
weiterhin eine Art Wunschliste im Kopf behalten: Eigenschaften, Verhaltensweisen usw. die zusätzlich
wünschenswert und erfreulich wären. Aber denk daran: sie laufen nicht mehr unter zwingend erforderlich.
Und sind somit auch kein Grund mehr, dauernd am anderen herumzumäkeln, solange er die Basics
erfüllt. Wenn er das nicht tut, ist es vielleicht Zeit für grundsätzliche Überlegungen. Ansonsten steck die
Zeit und Energie, die Du fürs Kritisieren aufwendest, lieber in andere Dinge.
Am Besten in Dich selbst! Das lohnt sich mehr!