2.1 PUA Empathie

Windddancer

Empathie gehört zu den sog. soft-skills und macht einen Teil des EQ (Emotional-Quotienten, ein Begriff,

den der Autor Daniel Golemann geprägt hat) aus. Mit Empathie erweiterst Du deine Kommunikations-

Fähigkeiten ganz entscheidend. Noch bevor der Mensch die ersten Laute und schließlich Sprachen

entwickelte um sich zu verständigen, kommunizierte er durch Körpersprache, Mimik und Gestik. Bis

heute haben wir das nicht abgelegt. Es steckt immer noch in uns und ob wir wollen oder nicht - wir teilen

uns dadurch mit. Vor, während, nach und auch ohne verbale Kommunikation. Selbst wenn Du noch kein

Wort mit einer Frau gewechselt hast, kannst Du als aufmerksamer Beobachter bereits einiges über ihre

Befindlichkeit herauslesen. Doch das erfordert Übung. Hier gleich eine Interessante, die Du mit einem

Freund, einem Wing oder auch mit einem Pivot oder einer weiblichen Freundin üben kannst:

Übung 1: Gedankenlesen

Setze Dich entspannt und bequem hin. Dein/e Parter/In sitzt Dir gegenüber. Eure Knie berühren sich

fast. Ihr solltet maximal so weit auseinander sitzen, dass Ihr euch ganz bequem an den Händen festhalten

könnt, oder Eure Handflächen sich berühren. Du beginnst jetzt damit, einfache Fragen zu stellen, auf die

Du die Antwort bereits kennst. Z.B. „Du heißt Nadine“, „Du bist eine Frau“, „Du hast blonde, lange Haare“.

„Du isst gerne Sauerkraut“ etc… Dein Übungspartner hat die Aufgabe, Dir nur durch seine Mimik „Ja“

oder „Nein“ Reaktionen zu zeigen. Anfangs kann das ruhig ein wenig übertrieben werden. Im Laufe der

Übung sollten die Reaktionen immer weiter zurückgenommen werden, bis sie ohne Übertreibung gezeigt

werden. Die Richtigkeit der Antworten wird immer wieder überprüft. Deine Aufgabe ist es jetzt, auf all die

kleinen Reaktionen zu achten, wenn ein „Nein“ kommt. Das könnte z.B. folgendes sein:

Ein leichtes Kopfschütteln, das Zucken der Oberlippe oder der Mundwinkel, eine leichte Bewegung

der Nasenflügel, eine schnelle Augenbewegung, ein leichtes Stirnrunzeln, ein kurzes Atem anhalten, eine

ganz leichte Bewegung der Finger, die Veränderung der Hautfarbe (blasser oder röter) oder der Atmung,

Schwitzen der Handflächen. Jeder Mensch hat eine Reihe von ganz speziellen Reaktionsmustern, die ein

„Nein“ oder „Ja“ signalisieren, ohne dass er dazu ein Wort sagen muss.

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Sobald Du der Meinung bist, dass Du die Reaktionen nun sicherer deuten kannst, geh auf die nächste

Stufe und stelle nun Fragen, deren Antwort Du nicht kennst. Die Fragen sollten aber noch immer eindeutig

mit JA oder NEIN zu beantworten sein. Du wirst dabei auch feststellen, dass Dein Partner sich manchmal

nicht sicher ist mit seiner Antwort. In diesem Fall wirst Du andere Signale erhalten. Zögern, Unsicherheit,

Verwirrung, eine Mischung unterschiedlicher Signale die rasch wechseln. Achte auch auf diese.

Nach etwa 15-20 Minuten wird gewechselt, dann ist der/die andere an der Reihe Dich mit Fragen

zu löchern. Diese kleine Übung eignet sich auch hervorragend, den anderen besser kennen zu lernen

(vor allem, wenn Du im Laufe der Übungen ein paar lustige und originelle Fragen einstreust). Daraus

lässt sich leicht ein kleines DHV in der Approach Phase des Isolierens und Comfort Herstellens machen.

C+f und Kino ergeben sich damit ganz von selbst. Für den Anfang ist es sinnvoll, dass Du dir dazu eine

ruhigere Umgebung aussuchst. Wenn Du bereits etwas geübter darin bist, kannst Du das natürlich auch

in einem Lokal oder an einem öffentlichen Ort versuchen. Ein lauter Club ist dafür allerdings definitiv nicht

geeignet.

OK, wenn Du alles richtig gemacht hast bist Du im Laufe der Zeit ein kleiner Gedankenleser

geworden. Du verblüffst damit HB`s und Freunde, wenn Du willst. Bereit für die nächste Übung?

Übung 2: Lüge oder Wahrheit?

Jetzt wird`s knifflig. Schau Dir im Fernsehen politische Diskussionen oder längere Interviews

an. Beobachte dabei - wie Du es bereits geübt hast (allerdings musst du diesmal ohne Händchen

halten auskommen) den Politiker oder Hollywoodstar bei seinen Aussagen und finde heraus, wann er

tatsächlich hinter seiner Aussage steht, wann er sich unwohl fühlt oder ausweicht und wann er definitiv

lügt, indem er unstimmige Signale sendet mit seiner Mimik. Die Übung lässt sich leicht während des

Tages unterbringen und Du verbesserst damit Deine Wahrnehmung und Empathie wieder um einen

großes Stück. Regelmäßige Übung vorausgesetzt wirst Du so in den meisten Fällen fähig sein nach

wenigen Sekunden mit großer Sicherheit sagen zu können, ob Dein Gegenüber lügt oder nicht.

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Übung 3: Die Bedürfnisse der Anderen

Mit dieser Übung erreichen wir langsam die Oberliga der Wahrnehmung und Empathie. Geh hinaus

- in Cafés, Restaurants, Kinos, öffentliche Verkehrsmittel - wo auch immer - und beobachte Menschen in

ihrem Verhalten. Schau Dir an, wie Pärchen miteinander umgehen. Haben sie oft Körperkontakt? Strahlen

sie sich gegenseitig an? Gestikulieren sie lebhaft? Spiegeln sie sich in ihrer Körpersprache? Machen sie

einen offenen und aufmerksamen Eindruck? Oder schaut der eine weg, während der andere spricht?

Sind die Bewegungen unsynchron? Will jemand etwas sagen, traut sich aber im letzten Moment doch

nicht? Woran erkennst Du dass jemand traurig, nachdenklich oder müde ist?

Vielleicht denkst Du dir jetzt - ein Buch über Körpersprache und soziales Verhalten und

Gruppendynamik wäre jetzt ganz gut.

Vergiss es.

Theorie und gestellte Fotos können Dir nie das vermitteln, was Du in der Praxis unter Menschen

lernen kannst. Geh raus unter Menschen!

Wenn Du dich darin übst, andere wahrzunehmen, wirst Du nicht nur Selbstsicherer werden, sondern

auch nicht mehr Gefahr laufen zu schnell in ein Fettnäpfchen zu treten. Natürlich gehört es auch dazu,

Fehler zu machen, sich zu verschätzen und mehr als einmal überrascht von der Reaktion des anderen

zu sein. Wichtig ist nur - trenne Beobachtung und Interpretation.

Verbunden mit etwas Kombinationsgabe und einem charmanten Auftreten wirst Du eines Tages

auf die feinen Signale deiner Begleitung ganz unbewusst mit solcher Geschwindigkeit und Sicherheit

reagieren können, dass den HB`s (und auch anderen Menschen) schlicht der Mund offen stehen bleibt.

Wenn Du damit zu unheimlich wirst, solltest Du vielleicht wieder ein-zwei Gänge zurückschalten, wenn

es um das Demonstrieren deiner Empathie geht. Auf jeden Fall geht von Empathie eine unheimliche

Attraction aus. Natürlich nur, wenn Du selbstsicher darin bist - nicht der AFC-artige Versuch der Frau auf

dem Podest jeden Wunsch von den Lippen abzulesen.

Eine kurze Szene die überall passieren könnte...

Du betrittst mit einem HB eine Pizzeria. Ihr seht Euch nach freien Plätzen um. Ein kürzes Zögern

verrät Dir, dass sie gerne einen Fensterplatz hätte. Du führst sie dort hin.

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PUA „Hier, ein Fensterplatz. Das fühlt sich gut an, oder?.“

HB: „Ja, danke.“

Ihr setzt euch. Du weißt, dass sie gerne Salamipizza isst und achtest auf ihre Reaktion, wo ihre

Blicke auf der Speisekarte hängen bleiben.

PUA: „ Ich nehme Spaghetti Carbonara. Eine Salamipizza mit Mais für dich?“

HB: (etwas verblüfft) „Ja, das wollte ich gerade bestellen.“

Als Ihr so sitzt, Euch angeregt unterhaltet und an Euren Drinks nippt, wird sie langsam immer

unruhiger, rutscht auf ihrem Platz hin und her. Du hast inzwischen herausgefunden, dass es die

typischen Zeichen dafür sind, dass sie auf die Toilette muss.

PUA:“Geh erst einmal in Ruhe auf die Toilette. Ich passe so lange auf deinen Platz auf.“

HB: (noch mehr erstaunt) „Ok, bin gleich wieder da!“

Usw… Das Beispiel ließe sich beliebig lange fortsetzen. Es soll Dir hier nur einen allgemeinen

Eindruck vermitteln. Empathie hilft Dir auch sehr gut dabei herauszufinden, wenn dem anderen etwas

auf dem Herzen liegt, er aber nicht so recht weiß wie (und ob) er es sagen soll. Hier kannst Du behutsam

ein Gespräch einleiten und die richtigen Worte finden. Der andere öffnet sich leichter und Frust oder

Mißverständnisse werden damit entschärft.

Empathie bereitet den Weg dazu, dass sich die Frau in Deiner Nähe wohl fühlt. Das ist eine Form

von Cold Reading, nur dass Du nicht ins Blaue hinein rätst, sondern es tatsächlicher Wahrnehmung

entspricht. So etwas macht unheimlich anziehend! Gelebte Empathie ist nichts anderes als ein Ausdruck

von Respekt. Du reagierst auf dein Gegenüber so, dass Du es damit wertschätzt. Du nimmst Bedürfnisse

vorweg und das sagt der Frau „Er nimmt mich wahr, er spürt, wie es mir geht und womit ich mich wohl

fühle. Er macht sich Gedanken um meine Bedürfnisse. Das fühlt sich ausgesprochen angenehm an. So

etwas hat noch nie ein Mann in diesem Ausmaß gemacht.“ Damit steigt Dein Wert. Es ist ein starker DHV,

ohne dass Du auch nur eine Geschichte erzählen musst.

Um die Wirkung zu verstehen brauchst Du dich nur in die umgekehrte Situation versetzen. Wenn die

Frau, mit der Du Zeit verbringst empathisch auf dich reagiert.

Sie bestellt meinen Lieblingsdrink „WOW, sie hat sich gemerkt was ich gerne trinke“.

Sie streichelt oder massiert mich an meinen angenehmsten Stellen, genau wie ich es mag „WOW,

sie geht auf mich ein, das fühlt sich gut an“.

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Sie überrascht mich in scharfen Dessous „WOW, sie hat sich gemerkt was mir gefällt, als wir das

letzte mal darüber gesprochen haben und setzt es um“.

Sie hört mir zu und baut mich auf, indem sie sanft auf mich eingeht und meine Stärken herausstreicht

„WOW, sie verbreitet gute Stimmung und baut mich auf!“.

Je mehr dieser „WOW`s!“ - umso mehr Attraction, und umso mehr möchten wir die Nähe des

Anderen genießen. Das ist bei Männern und Frauen gleich, nur die Bereiche die uns hier von Bedeutung

sind, weichen teilweise voneinander ab.

Mit Empathie auf eine Frau zu reagieren stellt den anderen auf eine Art und Weise in den Mittelpunkt,

wo er sich leicht geborgen fühlen kann. Menschen streben von Natur aus nach einem Ausgleich. Eine

Frau, der du derartig begegnest und die Du Empathisch behandelst, wird normalerweise ihrerseits

empathisch alles tun, um einen Ausgleich zu schaffen - also Dinge die sich für Dich sehr angenehm

anfühlen, Dir wichtig sind und bei denen Du dich wohl fühlst. In allen Bereichen Eurer Begegnung. Was

das bedetet muss ich hier nicht im Detail ausführen, Ihr könnt es Euch vorstellen.

Empathie ist keine Zauberkunst. Wir alle sind mehr oder weniger empathisch, sonst wäre ein erfolgreiches

Zusammenleben in welcher Gemeinschaft auch immer - unmöglich. Menschen, die über ein sehr hohes

Maß an Empathie verfügen, weisen meist eine oder mehrere der folgenden Eingenschaften auf:

• können sich gut in andere Menschen hineinversetzen und ihre Perspektive einnehmen, ohne

diese gleich zu bewerten.

• lernen die vielen Nuancen der Körpersprache und der Stimme zu erkennen und richtig

einzuschätzen.

• sind überdurchschnittlich sensibel und schaffen es, eine ev. Ich-bezogene Sensibilität in eine

feine Wahrnehmung nach außen umzuwandeln

• können sich gut an den Rhythmus und die Stimmungen anderer Menschen anpassen (Rapport

herstellen)

• erkennen leicht die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen (egal ob emotionale, physische,

intellektuelle,...) und gehen auf diese ein

Wenn Du es schaffst Deine Beobachtung so zu perfektionieren wie etwa Milton Eriksson, dann ist

es Dir auch möglich Gedanken, Beweggründe, Motivationen und Emotionen anderer Leute fast jederzeit

korrekt wiederzugeben, ohne dass diese auch nur ein Wort sagen müssen. Oder wie z.B. Thorsten

Havener, der damit öffentlich auftritt und (unter anderem) durch die genaue Beobachtung von Mimik und

Augenbewegungen genau sagen kann, an welchen Namen eine Frau gerade gedacht hat.

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Doch Empathie ist mehr als Kalibrierung. Auf den ersten Blick mag es vielleicht so aussehen, wirst

Du sagen, doch Kalibrierung bedeutet die Intensität der eigenen Reaktionen auf andere abzustimmen.

Es bedeutet ein regeln und anpassen auf die jeweiligen Erfordernisse. Erfolgreiche Empathie ist nicht

nur passive Anpassung. Es ist auch aktives Tun. Ja, in Empathie steckt sogar mehr Führungsqualität

als Du vielleicht annimmst. Sie ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, doch indem Du empathisch

auf andere Menschen reagieren kannst, führst Du. Menschen kommen zu Dir, weil sie sich verstanden

fühlen. Weil sie spüren und erfahren, dass Du sie mehr als die meisten anderen Menschen wahrnimmst.

Jeder möchte gerne wahrgenommen werden.

Empathie geht noch einen Schritt weiter als das Kalibrieren. Es enthält eine Mischung aus

Beobachtung, Erfahrung, Kombinationsgabe, Menschenkenntnis und schließlich ein Bauchgefühl, dem

Du nachgibst. Am Anfang passiert es wahrscheinlich vorwiegend aus dem Kopf heraus, doch später wird

es ein Gefühl, auf das Du dich einlässt. Du spürst die Stimmung in einem Raum und wirst Dir bewusst,

wie deine Handlungen das Klima darin beeinflussen können und werden. Wie Du ein Teil davon bist. Ob

die Stimmung ruhiger wird, oder hektischer, ob gute Laune, Hektik oder Traurigkeit vorherrschen soll und

wie Du mit den von den Anderen gesendeten Botschaften umgehen kannst und willst.

Was passiert wenn`s klappt?

Dumme Frage, oder? Ich WILL ja, dass es funktioniert, dass ich viel empathischer werde! Doch das

verändert einiges. Denn mit erhöhter Empathie nimmst Du auch viel mehr wahr. „Wo liegt das Problem?“

wirst Du jetzt vielleicht fragen. Deine Wahlmöglichkeiten vergrößern sich. Menschen öffnen sich und

Du nimmst das war. Das fühlt sich nicht immer angenehm an. Wo Du vielleicht bisher nicht darüber

nachdenken musstest wie Du mit einer Situation umgehst, kommen jetzt viel mehr Informationen durch

Deine feinere Wahrnehmung herein. Plötzlich sind mehr Dinge zu entscheiden. Das kann Dir schon

mal ganz schön zu schaffen machen und die Frage „Wie soll ich mich jetzt weiter auf diese Person

einlassen?“ mit all ihren Konsequenzen wird Dich sicher öfter beschäftigen als vorher.

Früher hättest du vielleicht den Club einfach verlassen, doch jetzt entschließt du Dich vielleicht,

noch einmal umzukehren und dem Mann oder der Frau in der Ecke zu helfen aus ihrem Stimmungstief

rauszukommen, bevor sie sich sinnlos betrinken oder an schlimmeres denken.

Ein hohes Maß an Empathie kann die intimsten Dinge zum Vorschein bringen. Darüber zu sprechen

- oder sie auch nur zu erkennen - ist nicht immer angenehm. Es kann für den anderen ziemlich peinlich

werden. Du wirst Dinge erfahren (und fühlen), die dich berühren werden. Du wirst lernen müssen Dich

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bewusst abzugrenzen. Und Du wirst Dir immer wieder mal eingestehen müssen, dass Du dem/der

Anderen nicht helfen kannst. Das kann hart sein. Ein Mensch, der sich von Dir durchschaut fühlt, kann

auch spontan Angst bekommen und das Weite suchen.

Das sind nur ein paar Punkte, die Du mit einem mehr an Empathie auch in Kauf nehmen musst. Es

soll Dir nur zeigen, dass eine feinere Wahrmehmung auch ihre Schattenseiten haben kann. Doch auch

daran kannst du wachsen und Erfahrungen sammeln. Sieh es als Herausforderung. Es lohnt sich auf

jeden Fall.

Empathie kann Dir eine unglaubliche Welt im Miteinander eröffnen. Öffne die Türe - und tritt ein.

Winddancer